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Agnes und seine Brüder

Produktion X Filme Creative Pool GmbH
Produzent Stefan Arndt
Beteiligte TV-Sender WDR, BR, arte
Gefördert von Filmstiftung NRW, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFF FilmFernsehFonds Bayern, BKM Filmförderung des Bundes, FFA Filmförderungsanstalt
Regie Oskar Roehler
Drehbuch Oskar Roehler
Kamera Carl F. Koschnik
Schnitt Juliane Lorenz
Szenenbild Sabine Rudolph
Filmmusik Martin Todsharow
Darsteller Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup,Katja Riemann, Tom Schilling, Martin Weiss

Info

Drei Brüder auf dem Weg zum Glück: Hans-Jörg ist ein sexsüchtiger Bibliothekar, der gerne jungen Studentinnen nachstellt. Werner, ein erfolgreicher Polit-Karrierist, dessen Familie zerbröckelt - seine Frau weist ihn ab, und sein Sohn nutzt jede Gelegenheit, um sich mit ihm zu messen. Agnes hingegen lässt sich als Tänzerin durchs Nachtleben treiben. In ihrer unstillbaren Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung verbindet die drei vor allem eins: die Suche nach dem großen Glück...

 

 

 

Nominiert für den besten Film:

AGNES UND SEINE BRÜDER – Produzent: Stefan Arndt – X Filme Creative Pool GmbH

Als der 1961 in München geborene filmische Autodidakt Stefan Arndt Mitte der achtziger Jahre das Berliner Sputnik-Kollektiv mitgründete, war es zwar noch ein weiter Weg bis zu seiner ersten eigenen Spielfilmproduktion, aber dieser war vorgezeichnet. Schon im Repertoire dieses altehrwürdigen Kultkinos, das geografisch weit jenseits dessen lag, was sich als Berliner Szene im Dreieck Charlottenburg – Schöneberg – Kreuzberg abspielte, zeigten sich Arndts Vorlieben für ein Kino, in dem schöne Kunst und schonungsloser Realismus einander nicht ausschließen. Das sollte auch das Credo der X Filme Creative Pool GmbH sein, die Stefan Arndt zehn Jahre später zusammen mit den Regisseuren Dani Levy, Wolfgang Becker und Tom Tykwer gründete. Zwei Jahre zuvor – 1992 – waren Arndt und Tykwer die Firma Liebesfilm und gaben mit DIE TÖDLICHE MARIA ihr gemeinsames Kinofilmdebüt.

X Filme Creative Pool, an einem offenbar äußerst inspirierenden Abend auf dem Balkon der Schauspielerin Maria Schrader als pragmatische Antwort auf das Gejammer der Kreativen über künstlerische Isolation und mangelnde Solidarität ersonnen, sollte sehr bald zu einem echten Markenzeichen für engagiertes, gutes und immer öfter auch erfolgreiches Kino werden. Produktionen wie Dani Levys STILLE NACHT (1995), Wolfgang Beckers GOOD BYE, LENIN! (2003) und Tom Tykwers LOLA RENNT (1998) sind drei der herausragendsten Beispiele für das Konzept eines kreativen Produzierens, das eben nicht allein auf der Arbeitsteilung beruht, bei der einer das Geld besorgt, das der andere ausgibt. Zu diesem Konzept gehörte schließlich zwingend die Gründung eines eigenen Verleihs, des X Verleihs, der seit 2000 unter dem Vorstand von Manuela Stehr, Anatol Nitschke und Stefan Arndt eigene und fremde Produktionen auswertet. Auch die Zusammenarbeit mit Oskar Roehler begann mit dem Verleih von ALTER AFFE ANGST (2003). Roehler passt nach Arndts Ansicht zu X Filme, weil auch er im Kino ein Leben zeigt, „das meist viel interessanter ist, als es sonst im Film gezeichnet wird“. Darum geht es auch in AGNES UND SEINE BRÜDER.

Seit einiger Zeit kümmert sich der Produzent Stefan Arndt übrigens nicht nur um die dauernde Veränderung des Kinos, sondern auch um die Veränderung der Rahmenbedingungen, in der Kino entsteht. Deshalb ist er Mitglied des Vorstands der Produzenten-IG Film 20 und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Filmakademie.


Nominiert für die beste darstellerische Leistung - weibliche Nebenrolle:

Katja Riemann

(Tom Schilling), Katja Riemann

Der Boom des deutschen Films Mitte der neunziger Jahre ist nicht denkbar ohne Katja Riemann. Die Schauspielerin (Jahrgang 1963) mit klassischer Ausbildung und klassischem Werdegang (Theater von der Provinz nach München), schafft den hierzulande schwierigen Sprung vom TV- zum Kinostar mit Vehemenz. Nach ihren Auftritten im „Tatort“ und dem Erfolg der zehnteiligen Fernsehserie REGINA AUF DEN STUFEN beginnt für Katja Riemann mit Katja von Garniers Kultkomödie ABGESCHMINKT 1993 eine außergewöhnliche Karriere. Sie dreht mit Rainer Kaufmann die Kinohits STADTGESPRÄCH (1995) und DIE APOTHEKERIN (1997). Sie schreibt zusammen mit ihren Kolleginnen Jasmin Tabatabai und Nicoelette Krebitz für Katja von Garniers zweiten Kinofilm BANDITS (1997) die Filmmusik, wofür sie Schlagzeug spielen lernt - und macht zusammen mit Til Schweiger und Joachim Krol Sönke Wortmanns DER BEWEGTE MANN (1994) zum deutschen Kinohit des Jahrzehnts.1999 steht sie in Frankreich neben Jeanne Moreau und Gerard Depardieu für Josée Dayans BALZAC vor der Kamera. Auch die neue Dekade beginnt mit einem Kinoerfolg, diesmal in einem Kinderfilm: BIBI BLOCKSBERG (2001) von Hermine Huntgeburth. Die große internationale Annerkennung kommt schließlich mit einem Film, in dem Katja Riemann ihre Begabung, ganz in ihren Figuren aufzugehen und neue, glaubwürdige, mitreißende Charaktere zu schaffen, auf den Punkt bringen kann: Für ihre Darstellung der Alltagsheldin Lena Fischer in Margarethe von Trottas Historiendrama ROSENSTRASSE (2003) wird auf den Filmfestspielen von Venedig zur besten Darstellerin gekürt. Ganz anders und doch genauso überzeugend gibt Katja Riemann in AGNES UND SEINE BRÜDER von Oskar Roehler die eigenwillige Politikergattin, deren Verachtung für ihren Mann in glaublich prägnant gespielten Szenen auch für den Zuschauer geradezu körperlich spürbar wird – durch den souveränen Einsatz der sehr nachhaltig wirkenden Gesten und Blicke die Katja Riemann schon immer beherrscht hat. Sie ist nicht die Hauptfigur dieses Films, aber für viele die unvergesslichste.

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