Der neunte Tag
| Produktion | Provobis Film GmbH |
| Produzent | Prof. Jürgen Haase |
| Co-produziert von | Videopress s.a. Luxembourg, Bayerischer Rundfunk, arte |
| Gefördert von | FFF FilmFernsehFonds Bayern, Medienboard Berlin-Brandenburg, Fond national de soutien à la production audiovisuelle Luxembourg |
| Regie | Volker Schlöndorff |
| Drehbuch | Eberhard Görner, |
| Andreas | Pflüger |
| Kamera | Tomas Erhart |
| Schnitt | Peter R. Adam |
| Szenenbild | Ari Hantke |
| Kostümbild | Jarmila Konecna |
| Filmmusik | Alfred Schnittke |
| Tongestaltung | Gunnar Voigt,Hubert Bartholomae |
| Darsteller | Ulrich Matthes, August Diehl, Bibiana Beglau, Germain Wagner |
Info
Entscheidung auf Leben und Tod - neun Tage, die Henry Kremer in seinen Grundfesten erschüttern, die nicht nur über sein Schicksal, sondern auch über das seiner Mitbrüder im KZ und seiner Familie entscheiden werden. Auge in Auge mit Gebhardt - Gestapo-Chef in Luxemburg - und seinen eiskalt kalkulierten Argumenten kommt Henry in Versuchung und muss am neunten Tag bekennen, auf welcher Seite er steht.
Nominiert für den besten Film:
DER NEUNTE TAG - Produzent: Prof. Jürgen Haase - Provobis Film GmbH
Professor Jürgen Haase, Berliner des Jahrgangs 1945, ist seit über zwanzig Jahren Geschäftsführer der Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen mbH, deren Vorliebe für historische und literarische Themen natürlich auch seine Vorlieben sind. Dafür steht Bernhard Wickis grandiose und mehrfach preisgekrönte Adaption des Joseph-Roth-Romans DAS SPINNENNETZ ( 1989, mit Ulrich Mühe) – die Geschichte eines Politkarrieristen an der Schwelle des Dritten Reiches –ebenso wie die mehrfach ausgezeichnete Thomas Mann Verfilmung MARIO UND DER ZAUBERER (1994), mit der der Schauspiel-Star Klaus Maria Brandauer auch sein Talent als Filmregisseur bewies, oder Nina Grosses Hölderlin-Biografie FEUERREITER (1998). All diese Filme entstanden als große internationale Koproduktionen, eine Spezialität des Produzenten Haase, der seit 1997 durch die Übernahme der vormaligen DEFA-Distribution Progress Film-Verleih GmbH auch für die Kinoauswertung seiner Produktionen verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus hält der Verleih natürlich auch das Repertoire der alten DEFA-Produktionen. Für das Fernsehen hat sich Jürgen Haase auf gängige und auf gesellschaftspolitische Genres spezialisiert. Er produziert
regelmäßig die Berliner Beiträge der ARD Erfolgsserie TATORT, realisierte
1996 den preisgekrönten Wendefilm NIKOLAIKIRCHE unter der Regie von Frank
Beyer und machte u.a. 2002 mit dem zweiteiligen Thriller OPERATION RUBIKON unter der Regie von Thomas Berger auf Pro7 Furore. DER NEUNTE TAG, für den Jürgen Haase 2004 mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet wurde, war ein Projekt, mit dem er sich beschäftigte, seit er 1996 die Aufzeichnungen des Priesters Jean Barnard („Pfarrerblock 25487“) gelesen hatte. Es gab verschiedene Drehbuchfassungen und verschiedene Regisseure für das Projekt, das für den Produzenten nach eigenen Worten Fragen behandelte, „denen man sich selbst gerade aus heutiger, gegenwärtiger Sicht in einer komplizierten Welt nicht entziehen kann und darf“. Mit dem Oscar-prämierten Regisseur Volker Schlöndorff fand Haase den Mann, der diese Fragen mit Hilfe einer exzellenten Besetzung richtig stellen konnte.
Nominiert für die beste Regie:
Volker Schlöndorff
Wenn von der ersten Generation des mittlerweile in den besten Jahren befindlichen Jungen Deutschen Films die Rede ist, ist immer auch die Rede von Volker Schlöndorff. Der Wiesbadener Wahlpotsdamer des Jahrgangs 1939, der lange in München gelebt hat, kam direkt über das französische Kino zum deutschen Film. Nach Hospitanzen bei Alain Resnais, Jean-Pierre Melville und Louis Malle legte Schlöndorff 1966 mit der Musil-Adaption DER JUNGE TÖRLESS sein furioses Regiedebüt vor. Von da ab haben seine Filme immer Spuren hinterlassen, politisch, cineastisch, kulturell. Nach dem nicht nur Aufsehen erregenden DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975), dem vielleicht wichtigsten populären Kommentar zur hysterischen politischen Stimmung Mitte der siebziger Jahre, und seiner Mitwirkung an dem Omnibus-Film DEUTSCHLAND IM HERBST (1977) quasi zum gleichen Thema, machte Volker Schlöndorff mit einigen ehrgeizigen und weltweit beachteten Literaturverfilmungen auf sich aufmerksam. An erster Stelle – nicht nur chronologisch – DIE BLECHTROMMEL (1979) nach Günter Grass, die Schlöndorff die beiden wichtigsten Ehrungen der Filmbranche brachte: die Goldene Palme von Cannes und den Oscar. Es folgen unter anderem die internationalen Produktionen wie TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN (1984) und HOMO FABER (1991). Danach übernimmt Schlöndorff für einige Jahre die Leitung des Studios Babelsberg und bleibt natürlich Filmemacher. Als solcher bleibt er seinen Themen treu. Er verfilmt den Roman „Der Erlkönig“ von Michel Tournier unter dem Titel DER UNHOLD und mischt sich in die Politik mit seinem psychologischen Terroristendrama DIE STILLE NACH DEM SCHUSS. DER NEUNTE TAG, die wahre Geschichte des Paters Jean Bernard und seiner Konfrontation mit einem theologisch beschlagenen Nazi, ist der erste Film von Volker Schlöndorff, in dem, so der Regisseur, „auch das Universum des KZ gezeigt wird“.
Nominiert für das beste Drehbuch:
Eberhard Görner, Andreas Pflüger
Das Drehbuch zu Volker Schlöndorffs Film über die unheimliche Begegnung zwischen einem luxemburgischen Geistlichen auf einem gespenstischen Freigang aus dem KZ Dachau und einem deutschen Gestapochef war die erste Zusammenarbeit der Autoren Eberhard Görner (Jahrgang 1944) und Andreas Pflüger (Jahrgang 1957). Aber es war nicht ihre erste Arbeit für die Berliner Provobis Film GmbH. Görner arbeitete von 1991 bis 2000 fest als Redakteur, Regisseur und Autor für die Firma. Pflüger schrieb unter anderem das Drehbuch zu der erfolgreichen TV-Produktion OPERATION RUBIKON (2002). Im Fernsehen der DDR war Eberhard Görner sicher einer der wichtigsten Dramaturgen und Autoren. Allein die Tatsache, dass die heute noch erfolgreich in der ARD laufende Kultreihe POLIZEIRUF 110 von ihm miterdacht und -geschrieben wurde, ist nicht weniger als ein historisches Verdienst. 1995 war er zusammen mit dem Regisseur Frank Beyer und den Romancier Erich Loest für das Drehbuch für den preisgekrönten Wende-Mehrteiler NICOLAIKIRCHE zuständig. Der Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film „Konrad Wolf“ in Babelsberg hat sich auch durch seine zahlreichen kulturgeschichtlichen Dokumentationen (u.a. über
Freya von Moltke, Elisabeth Mann Borgese und George Tabori) für diesen heiklen wie intensiven Stoff qualifiziert. Andreas Pflüger, der von der klassischen Schriftstellerei (z.B. das Theaterstück HERRENGOLD) zum Drehbuchschreiben kam, bezeichnet seine Auseinandersetzung mit den Erinnerungen des Auschwitz-Überlebenden Primo Levi als eine der Initialzündungen für die Arbeit an DER NEUNTE TAG. Das Studium der Theologie mag eine weitere Hilfe gewesen sein.
Nominiert für die beste darstellerische Leistung – Männliche Hauptrolle:
August Diehl
Sein erster Auftritt in einem Kinofilm schlug ein wie eine Bombe. Dabei war der Schauspieler August Diehl (Jahrgang 1976) bereits in Berlin ein Theaterstar, bevor ihn Hans-Christian Schmid 1998 für seinen Hacker-Film 23 entdeckte. Der Absolvent der Schauspiel-Schule „Ernst Busch“ und Sohn der Schaubühnen-Ikone Hans Diehl erhielt denn auch prompt für sein Debüt den Deutschen Filmpreis. Seitdem ist Diehl aus dem deutschen Kino nicht mehr wegzudenken. Er brillierte in Rainer Kaufmanns Ingrid-Noll-Adaption KALT IST DER ABENDHAUCH (2000) und Peter Sehrs LOVE THE HARD WAY (2000). Im Jahr 2000 war er außerdem einer der „European Shooting Stars“. Danach stellt er sein großes darstellerisches und inhaltliches Spektrum als Schauspieler weiter unter Beweis. Er gewinnt 2001 den Alfred-Kerr-Darstellerpreis für seine Leistung in Luc Bondys „Möwe“-Inszenierung an der Wiener Burg, arbeitet in der österreichischen Hauptstadt mit Peter Kern für dessen Polit-Farce APRIL 2001 – HAIDER LEBT (2002), spielt die Hauptrolle in Robert Schwentkes Thriller TATTOO (2001), liefert bemerkenswerte Auftritte in Stefan Ruzowitzkys ANATOMIE 2 (2002) und Hans-Christian Schmids mehrfach prämiertem Film LICHTER (2003), bevor er zusammen mit Daniel Brühl in WAS NÜTZT DIE LIEBE IN GEDANKEN (2003) von Achim von Borries auf der Berlinale 2004 und im Kino Triumphe feiern kann. Seine Rolle als theologisch beschlagener Gestapo-Chef in Volker Schlöndorffs DER NEUNTE TAG hat ihn nicht nur historisch, sondern gerade auch als Schauspieler gereizt: „Ich glaube, dass ein Schauspieler nicht Wissenschaftler sein muss oder so katholisch wie ein gläubiger Mann. Er glaubt selbst an sehr viele Sachen, ohne religiös zu sein, und das kann man sehr gut einbringen, um jemanden glaubhaft darzustellen, der an eine Sache glaubt.“
Nominiert für die beste darstellerische Leistung – Männliche Hauptrolle:
Ulrich Matthes
„Dieser zurückhaltende Mann sucht im Theater nicht die Selbstdarstellung, sondern das Leben“, schreibt der Theaterkritiker C.Bernd Sucher über Ulrich Matthes (Jahrgang 1959). Diese Eigenschaft stellt Matthes – der bereits 1987 von der Zeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt wurde und den Gertraud-Eysoldt-Ring 2005 für die Leistung als bester Schauspieler in der Rolle des George in WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? am Deutschen Theater in Berlin erhielt - seit über zehn Jahren auch auf dem Bildschirm und im Kino ständig unter Beweis. Selbst in den unheimlichen Täter-Rollen als Gestapo-Mann in Max Färberböcks AIMEE UND JAGUAR (1997) oder zuletzt als Joseph Goebbels in DER UNTERGANG (2004) von Oliver Hirschbiegel. Besonders eindringlich geraten Matthes´ Rollen von Männern auf verlorenem Posten. Den ersten starken Eindruck im Kino hinterließ der Sohn eines berühmten Berliner Journalisten in Tom Tykwers WINTERSCHLÄFER (1996) als Mann ohne Gedächtnis. Auch sein Auftritt als ebenso schmieriger wie verzweifelter Bademodenvertreter in Nikolai Albrechts existenzialistischem Road-Movie MITFAHRER (2004) zeigt diesen Schauspieler auf der Suche nach dem Leben. Das findet er schließlich ebenfalls in der Figur des Pfarrers Kremer in Volker Schlöndorffs DER NEUNTE TAG; in dem er sich als Schauspieler besonders gefordert fühlt, denn „der Beruf des Schauspielers zwingt permanent dazu, Dinge, die mit einem selbst erst einmal gar nichts zu tun haben, in sich hinein zu lassen, und zwar möglichst intensiv. Ich selbst habe das als eine Form der Konzentration, Stille und Innenschau empfunden, verstärkt im Sinne der Religiosität“.
Nominiert für den besten Schnitt:
Peter R. Adam
Peter Adam (1957 in Pirmasens geboren) hätte keine Probleme damit, wenn man seinen Arbeitsplatz als Werkbank in der Traumwerkstatt bezeichnen würde. Filmmontage hat für ihn sehr viel damit zu tun, den eigenen Rhythmus und die eigene Form der Wahrnehmung in Träumen auf die Erzählweise einer Geschichte im Kino zu übertragen. Was in Wirklichkeit nicht geht, ist im Traum und natürlich im Kino mittels Montage möglich – der Wechsel von Perspektiven. Begonnen hat Peter Adam seinen Traumjob allerdings als Tonmann bei Roland Emmerichs Debütfilm DAS ARCHE NOAH PRINZIP (1981), um danach bei Anthony Waller als Cutterassistent, das zu lernen, was ihn schon kurze Zeit später zu einem der zuverlässigsten und begehrtesten Schnittmeister hat werden lassen. Er arbeitet regelmäßig mit Detlev Buck (WIR KÖNNEN AUCH ANDERS, 1993, MÄNNERPENSION, 1995) und Roland Suso Richter (14 TAGE LEBENSLÄNGLICH, 1996, DER TUNNEL, 2000), erhielt für seinen Schnitt von Joseph Vilsmaiers COMEDIAN HARMONISTS (1998) den Deutschen Filmpreis ebenso wie für die Montage von Wolfgang Beckers Welthit GOOD BYE, LENIN! (2002). Die Arbeit an Volker Schlöndorffs sehr stark auf die beiden Hauptfiguren konzentrierten Film DER NEUNTE TAG war für Peter Adam, dessen inhaltliche Beteiligung am Gelingen eines Films – bei aller persönlicher Bescheidenheit - stets über die Arbeit am Schneidetisch hinausgeht, eine besondere Herausforderung. Peter Adam engagiert sich übrigens seit Gründung der Deutschen Filmakademie in deren Vorstand.
Nominiert für das beste Szenenbild:
Ari Hantke
Wie viele Szenenbildner beim Film kommt der 1943 in Hirschberg geborene Production Designer Ari Hantke von der klassischen Architektur, die er in München studierte. Hantke, der den französischen Orde des Architectes trägt, arbeitet seit 1976 als Szenenbildner für die unterschiedlichsten Film- und Fernsehproduktionen – von PUMUCKL oder die Katja-Riemann-Serie REGINA AUF DEN STUFEN und die EUROCOPS bis zur deutsch-französischen Koproduktion ASTERIX UND OBELIX GEGEN CÄSAR (1997) und den ersten ERKAN UND STEFAN-Filmen (1999 und 2001). Für das Szenenbild für Volker Schlöndorffs DER NEUNTE TAG lag die Herausforderung und die Leistung in der Beschränkung. Besonders das – von Schlöndorff so genannte – „Universum“ des Konzentrationslagers erhält durch die Arbeit Hantkes seinen Schrecken nicht durch eine vordergründig auf diesen Schrecken ausgerichtete Ausstattung, sondern durch die Wirkung im Detail.
Nominiert für die beste Tongestaltung:
Hubert Bartholomae, Gunnar Voigt
Es gibt Filmprojekte, da fällt die Tongestaltung auf, nicht weil sie auffällig, sondern weil sie besonders sorgfältig ist. Zu diesen Projekten zählt ganz bestimmt Volker Schlöndorffs DER NEUNTE TAG: ein Film, in dem die ihn tragenden Dialoge in eine authentische Atmosphäre passen müssen. Für diese Mischung im doppelten Sinne des Wortes tragen der Tonmeister Gunnar Voigt und der Mischmeister Hubert Bartholomae die Verantwortung. Voigt hat in den letzten Jahren für die O-Töne in diversen Kino- und Fernsehproduktionen gesorgt, darunter GERMANIKUS (R: Hanns Christian Müller, 2003), HEIMAT 3 (2003) von Edgar Reitz und KOMMISSARIN LUCAS (2004) von Thomas Berger. Hubert Bartholomaes (Jahrgang 1957) Karriere begann mit der des Regisseurs Roland Emmerich, bei dessen Debüt DAS ARCHE NOAH PRINZIP (1984) er für die Musik und die Animation zuständig war. Bartholomae machte auch die Musik für Hans-Christoph Blumenbergs Spielfilm DER SOMMER DES SAMURAI (1986). Als Mischtonmeister arbeitete Bartholomae unter anderem für den erfolgreichsten deutschen Zeichentrickfilm WERNER – DAS MUSS KESSELN! (R: Michael Schaack, Udo Beißl, 1996), 14 TAGE LEBENSLÄNGLICH (1997) von Roland Suso Richter und Uli Edels DER KLEINE VAMPIR (2000).










