Der Untergang
| Produktion | Constantin Film Produktion GmbH |
| Produzent | Bernd Eichinger |
| Regie | Oliver Hirschbiegel |
| Drehbuch | Bernd Eichinger |
| Kamera | Rainer Klausmann |
| Schnitt | Hans Funck |
| Ausstattung | Bernd Lepel |
| Filmmusik | Stephan Zacharias |
| Tongestaltung | Roland Winke, Stefan Busch, Michael Kranz |
| Darsteller | Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Juliane Köhler, Corinna Harfouch, Birgit Minichmayr, Christian Berkel |
Info
Deutschland, April 1945. Die deutsche Armee steht kurz vor der Kapitulation. Die Führungsriege der Nazis um Adolf Hitler hat sich in einen Bunkerkomplex zurückgezogen.
Erzählt aus der Perspektive von Traudl Junge, der Privatsekretärin Hitlers, versucht der Film, die letzten Stunden im Leben des Diktators zu rekonstruieren: Von Gesprächen mit Gefolgsleuten wie Goebbels und Speer, über die rasche Hochzeit mit Eva Braun und Mahlzeiten mit dem Küchenpersonal bis hin zum Selbstmord, den Hitler gemeinsam mit seiner Frau Eva verübte.
Spielfilm, 155 min
Nominiert für die beste darstellerische Leistung - männliche Hauptrolle:
Bruno Ganz
Den Iffland-Ring hat er schon. 1996 erhielt Bruno Ganz die höchste Auszeichnung für einen deutschsprachigen Theaterschauspieler als Nachfolger des verstorbenen Joseph Meinrad, der sie seit 1959 trug. Dafür hat der 1941 in Zürich geborene Schauspieler kein Abitur. Ob ihm beides oder eines von beiden oder keines von beiden wichtig ist, ist angesichts seiner künstlerischen Biografie unwichtig. Der schweizerische Schauspieler, der seit Anfang der sechziger Jahre hauptsächlich in Deutschland arbeitet und lebt, hat sowohl auf der Bühne als auch im Kino Maßstäbe gesetzt und eine Figur entwickelt, die man immer wiedererkennt und die dabei auch immer wieder überrascht. Er hat mit Peter Stein, Klaus Michael Grüber und Claus Peymann legendäre Theaterinszenierungen gemacht – von „Sommergäste“ über „Faust“ bis „Der Ignorant und der Wahnsinnige“. Er war einer der ersten Protagonisten des deutschen Kinos nach Oberhausen in Haro Senfts DER SANFTE LAUF (1966). Er machte politisches Kino mit Reinhard Hauff und Volker Schlöndorff (MESSER IM KOPF, 1978 und DIE FÄLSCHUNG, 1981) und poetisches Kino mit Wim Wenders (u.a. DER AMERIKANISCHE FREUND,1977 und DER HIMMEL ÜBER BERLIN, 1987). Er dreht – zusammen mit Otto Sander – einen bemerkenswerten Dokumentarfilm über die Schauspieler Curt Bois und Bernhard Minetti (GEDÄCHTNIS, 1982). Und er sorgt mit seiner leisen und dabei so wirkungsvollen Darstellung eines schüchternen Kellners in Silvio Soldinis PANE E TULIPANI für die Sensation im europäischen Arthouse-Kino des Jahres 2000. Was soll nach all diesen Leistungen noch schwer daran sein, Adolf Hitler zu spielen? Zum Beispiel die Entscheidung, wie viel Mensch gebe ich der Figur, damit das Monster sichtbar wird. Bruno Ganz hat diese Entscheidung in DER UNTERGANG getroffen und mit der Konsequenz eines leidenschaftlichen Schauspielers umgesetzt.
Nominiert für die beste darstellerische Leistung - weibliche Nebenrolle:
Corinna Harfouch
Sie hat schon als Schauspielerin in beiden Teilen Deutschlands gearbeitet, als selbst der kälteste Krieger nicht ernsthaft glauben wollte, dass es bald nur noch einen Teil geben sollte. Corinna Harfouch, 1954 im thüringischen Suhl geboren, aufgewachsen in Sachsen, war schon vor der Wende Stammgast in den Filmen des Hamburgers Hark Bohm (YASEMIN, 1986 und DER KLEINE STAATSANWALT, 1987). Zur gleichen Zeit glänzte sie in Roland Gräfs FALLADA – DAS LETZTE KAPITEL (1987) und arbeitete mit ihrem damaligen Mann Michael Gwisdek an dessen international erfolgreichem Regie-Debüt TREFFEN IN TRAVERS (1988) für die DEFA. Dieser Film war auch so etwas wie der Abschied von der DEFA: Sie gewann den Darstellerpreis auf dem letzten DEFA-Spielfilmfestival 1990. Danach ist die gelernte Theaterschauspielerin quasi ununterbrochen auf der Bühne, auf dem Bildschirm und auf der Kinoleinwand präsent. Ob als Eva Braun am Berliner Ensemble (1996), als EVA BLOND im besten Programm, das SAT.1 zu bieten hat oder als SEXY SADIE in Mathias Glasners gleichnamigen Kinofilm (1996). Sie war das ungewöhnlichste – und für viele schönste – Gesicht im Komödienboom der Neunziger (IRREN IST MÄNNLICH, 1996 und KNOCKIN´ ON HEAVEN´S DOOR, 1997), wurde zum Star für Kinder in den BIBI BLOCKSBERG-Verfilmungen (2002 und 2004) und bewies ihre große Wandlungsfähigkeit mit den Mitteln des Minimalismus in Dramen wie GEFÄHRLICHE FREUNDIN (1996) und DER GROSSE BAGAROZY (1999) oder der Kriminalgroteske JETZT ODER NIE (2000). Die Rolle der ebenso fanatischen wie gefühlskalten Goebbels-Gattin Magda in Oliver Hirschbiegels DER UNTERGANG (2004) ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für die oft fragil wirkende Schauspielerin Corinna Harfouch. Hier kombiniert sie zwei Charaktere, die die Titel zweier ihrer Filme zieren: DIE FREMDE FRAU (2004) und DAS MONSTRUM (2001).
Nominiert für die beste darstellerische Leistung - weibliche Nebenrolle:
Juliane Köhler
Juliane Köhler (1965 in Göttingen geboren) ist ein Star am Münchner Residenz-Theater, als der Vertrag 1997 gelöst wird, damit sie eine der Hauptrollen in Max Färberböcks Liebesdrama AIMEE UND JAGUAR übernehmen kann. Eine Entscheidung mit erfreulichen Folgen für die ehemalige Schülerin von Uta Hagen in New York, die 1988 ihre Bühnenkarriere in Hannover begonnen hat. Denn für ihre Darstellung der Lily Wust, einer mehrfachen Mutter im Berlin der Nazizeit, die sich in die so attraktive wie furchtlose Jüdin Felice Schragenheim (gespielt von Maria Schrader) verliebt, erhält sie prompt den Darstellerpreis der Berlinale 1998 und den Deutschen Filmpreis. Danach leiht sie sowohl den großen Kinoproduktionen PÜNKTCHEN UND ANTON (1999) und NIRGENDWO IN AFRIKA (2001) – beide unter der Regie von Caroline Link – als auch den Debütfilmen NEUFUNDLAND (2003, R: Georg Maas) und MEIN ERSTES WUNDER (2002, R: Anne Wild) ihr Talent für Figuren mit innerer Stärke, die nach Außen zerbrechlich und leicht verletzbar wirken. Eine solche Figur ist auch ihre Eva Braun in Oliver Hirschbiegels DER UNTERGANG, mit der sie – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Tanz auf dem Vulkan hinlegt.





